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So funktioniert moderne Identitätsprüfung

Wie ein moderner Prüfprozess aufgebaut ist, von der Dokumentenprüfung bis zur Biometrie.

4 Min. LesezeitOktober 2026
So funktioniert moderne Identitätsprüfung

Überblick

Moderne Identitätsprüfung vereint mehrere Prüfungen zu Dokumenten, Biometrie und weiteren Signalen in einem einzigen Prozess, der Sicherheit und Nutzererlebnis ausbalanciert.

Für die Nutzerin oder den Nutzer ist der Ablauf kurz: das Ausweisdokument fotografieren, es vielleicht ans Smartphone halten und ein Selfie machen. Dahinter laufen mehrere unabhängige Prüfungen, die jeweils eine andere Art von Nachweis betrachten. Das Ergebnis ist ein Entscheid, auf dessen Grundlage das Unternehmen handeln kann, mit genügend Details, um ihn zu begründen.

Dieser Beitrag geht die Ebenen in der Reihenfolge durch, in der sie üblicherweise laufen, und zeigt, welche Entscheidungen ein Unternehmen bei jedem Schritt trifft.

Erfassung

Alles Weitere hängt von der Qualität der Erfassung ab. Ein unscharfes Dokument oder ein dunkles Selfie führen zu Fehlschlägen, die nichts mit Betrug zu tun haben.

Gute Erfassung heisst, die Person in Echtzeit anzuleiten: die Kanten des Dokuments erkennen, vor Spiegelungen warnen, um ein ruhiges Halten bitten und das Bild erst aufnehmen, wenn es brauchbar ist. Dazu gehört auch zu prüfen, ob die Bilder von einer echten Gerätekamera stammen. Eine Sitzung, die von einer virtuellen Kamera oder einem Emulator gespeist wird, kann sonst jede spätere Prüfung umgehen.

Viele Nutzerinnen und Nutzer beginnen am Desktop, wo die Kamera schlecht ist und es kein NFC gibt. Ein gängiges Muster ist ein QR-Code, der die Sitzung ans Smartphone übergibt und die Person nach der Erfassung wieder zum Desktop zurückführt.

Dokumentenprüfung

Amtliche Ausweise sind nach wie vor die Grundlage. Optisches Auslesen und NFC bestätigen, dass das Dokument echt ist, bevor es weitergeht.

Die Dokumentenprüfung besteht in der Regel aus drei Teilen.

Datenextraktion. Die maschinenlesbare Zone auf Pässen und vielen Identitätskarten wird ausgelesen und ihre Prüfziffern werden validiert. Auch die visuelle Zone und allfällige Barcodes werden gelesen, und die Felder werden miteinander verglichen. Ein Geburtsdatum, das in der MRZ anders lautet als im gedruckten Text, ist ein starkes Signal.

Echtheit. Das Dokument wird mit der Vorlage der ausstellenden Behörde verglichen: Layout, Schriften, Position der Felder sowie gedruckte und optisch variable Sicherheitsmerkmale. Hier fallen typischerweise ausgetauschte Porträts, bearbeitete Texte und gefälschte Karten auf.

Chipprüfung. Viele moderne Pässe und Identitätskarten enthalten einen Chip. Die NFC-Prüfung liest die Daten darauf aus, einschliesslich eines Porträts, und validiert die digitale Signatur der ausstellenden Behörde. Eine gültige Signatur belegt, dass die Daten von der ausstellenden Behörde geschrieben und nicht verändert wurden. Das ist der stärkste Dokumentennachweis, den ein Prozess aus der Ferne liefern kann. Er setzt allerdings ein Dokument mit Chip und ein NFC-fähiges Smartphone voraus, deshalb sollte der Prozess auf optische Prüfungen zurückfallen können.

Welche Dokumente unterstützt werden und welche einen Chip haben, ist von Land zu Land verschieden. Die Abdeckungsseiten zeigen, was pro Markt akzeptiert wird.

Biometrie und Liveness

Der Gesichtsabgleich verknüpft das Dokument mit der Person, die es vorlegt. Die Liveness-Erkennung erschwert Wiedergabe- und Spoofing-Angriffe.

Der Gesichtsabgleich vergleicht das Selfie mit dem Porträt auf dem Dokument oder, wenn ein Chip ausgelesen wurde, mit dem Chipporträt. Er liefert einen Ähnlichkeitswert, und das Unternehmen entscheidet, ab welchem Wert es akzeptiert. Ein strengerer Schwellenwert stoppt mehr Betrüger, lehnt aber auch mehr echte Nutzerinnen und Nutzer ab. Die Einstellung sollte sich deshalb nach dem Risiko des Prozesses richten.

Die Liveness-Erkennung bestätigt, dass eine echte Person anwesend ist und nicht ein Foto, ein Video auf einem Bildschirm oder eine Maske. Sie kann passiv sein und das Selfie ohne zusätzliche Schritte analysieren, oder aktiv und die Person auffordern, sich zu bewegen oder auf eine Anweisung zu reagieren.

Betrugssignale

Manche Angriffe fallen nicht auf, wenn man nur fragt, ob das Dokument echt ist oder das Gesicht passt. Sie zeigen sich in Mustern über mehrere Sitzungen hinweg oder in der Aufnahme selbst:

  • dasselbe Dokument oder dasselbe Bild davon taucht bei mehreren Konten auf
  • gemorphte Porträts, die zwei Gesichter verschmelzen
  • synthetische oder generierte Gesichter
  • eingeschleuste Videostreams und Deepfakes
  • Widersprüche zwischen Dokumentdaten, Gesicht und Sitzung

Ausführlicher behandeln wir diese Signale in unserem Beitrag zur Anatomie des Identitätsbetrugs und auf der Seite zur Betrugsprävention.

Das Zusammenspiel

Ein produktiver Stack schichtet diese Prüfungen so, dass jede eine andere Fehlerquelle abdeckt, ohne redlichen Nutzerinnen und Nutzern unnötige Hürden in den Weg zu legen.

Im letzten Schritt werden die Ergebnisse zu einem Entscheid zusammengeführt. Viele Prozesse arbeiten mit drei statt zwei möglichen Ergebnissen:

ErgebnisTypische BedeutungWie es weitergeht
FreigabeAlle Prüfungen mit ausreichender Sicherheit bestandenDie Person fährt automatisch fort
PrüfungEine Prüfung war nicht eindeutig oder ein Signal muss von einem Menschen beurteilt werdenDer Fall geht an eine Prüferin oder einen Prüfer
AblehnungEine Prüfung ist klar gescheitert oder ein Betrugssignal wurde bestätigtDie Person wird gestoppt, wo sinnvoll mit einer klaren Meldung

Nicht jeder Prozess braucht jede Ebene. Eine Alterskontrolle muss womöglich nur ein Geburtsdatum bestätigen, ein reguliertes Onboarding braucht das volle Programm. Entscheiden Sie bei der Gestaltung eines Prozesses:

  1. welche Prüfungen für Ihre Lizenz oder Ihre Richtlinien vorgeschrieben sind und welche optional
  2. ob NFC vorgeschrieben, bevorzugt oder ausgelassen wird
  3. wo die Schwellenwerte liegen und wer die Warteschlange für manuelle Prüfungen bearbeitet
  4. welche Daten an Ihre Systeme zurückgehen und wie lange etwas aufbewahrt wird
  5. wo die Daten bearbeitet und gespeichert werden

Wo secuveri ansetzt

secuveri vereint Dokumentenprüfungen mit Auslesen des NFC-Chips (wo verfügbar), Gesichtsabgleich, Liveness-Erkennung und Betrugssignale in einem Prozess und unterstützt Dokumente aus 46 Ländern. Sie wählen, welche Prüfungen pro Prozess laufen, gestalten den Prozess in Ihrem eigenen Branding und übergeben Nutzerinnen und Nutzer per QR-Code vom Desktop ans Smartphone. Die Daten werden in der Schweiz bearbeitet und gespeichert, ein On-Premise-Betrieb ist möglich.

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechts- oder Compliance-Beratung. Ihre Pflichten hängen von Branche, Bewilligung und Märkten ab.

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